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 GALERIE IM TURM
 

 SCHICHTWERK
 Walter Bruno Brix, Oliver Engels, Christiane Molan



 Ausstellung: 23. August - 20. September 2007

 Einführung: Manuela Krekeler-Marx

 Musik: Yves-Alain Corandi, Tenor Saxophon


 

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Walter Bruno Brix

Zeit und  Spontaneität

Zeit spielt eine große Rolle in der Arbeit von Walter Bruno Brix. Feine Zeichnungen, teilweise in sehr großen Formaten, manifestiert er mit gestickten Linien. Diese zeitaufwendige und traditionell den Frauen zugeordnete Technik ist oft kombiniert mit Tuschmalerei, die in der Tradition asiatische Kalligrafien und den amerikanischen und europäischen Malern des Informell bzw. abstrakten Expressionismus steht. Diese Tuschflecken bilden einen deutlichen Gegenpol zu den überlegten, geplanten und dann gestickten Zeichnungen, sind sie doch spontan und aus einem Moment der Konzentration und Entäußerung heraus entstanden.

Ein herausragendes Thema in den Arbeiten von Brix ist der menschliche Körper und seine Bestandteile. Oft untersucht den historischen Kontext der Darstellung des Körpers und nähert sich den Phänomen der Zeitlichkeit. Auch die Geschlechterrollen sind Thema seiner Arbeit. Eine sechzig gestickte Portraits umfassende Arbeit zeigt die geringen und doch deutlich sichtbaren Unterschiede von männlichen und weiblichen Gesichtern.

Auch die Beziehung des Menschen zu seiner Umwelt untersucht Brix, beispielsweise in der raumgreifenden Installation ‚Halten Vögel Menschen?’ in der mit Abbildungen von Vögeln bestickte Haushaltstextilien in einem dem jeweiligen Raum angepassten Installation gezeigt werden.

In der Arbeit ‚Chadogu’ wird seine starke Verbindung zu Japan und japanischen Traditionen deutlich. Brix hat in Japan textile Techniken studiert und beschäftigt sich seit mehr als 20 Jahren intensiv mit japanischer Kunst. In den kleinformatigen Bildern zeigt er japanische Keramiken und andere traditionelle Kunstwerke in feinen, mit Seidenfäden gelegten Zeichnungen über spontanen Tuschestrichen. Der verwendete gelbe Baumwollstoff stammt aus Japan und wird dort traditionell verwendet, um ähnliche, wie in den Zeichnungen gezeigte Objekte einzuwickeln. Damit vermittelt er uns die in Japan viel stärkere Wertschätzung für künstlerische Arbeit mit den Händen, die auch in seinem Werk eine so herausragende Rolle spielt.

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Oliver Engels

Oliver Engels zeigt Zeichnungen und Serigrafien. Der Aachener Künstler( Jahrgang 1973) handhabt Mangatechnisch Größen zu anderthalb Quadratmetern indem er sie mit einem Mehr an ungegenständlichen und unbanal abstrakten Linien, Schlenkern, Chiffren, Flächen überzieht, die häufig an den Duktus von Comics und Graffitis und auch an amobiäle Strukturen der Dreißiger Jahre erinnern. Das wirkt wie ein Jackson Pollock, bietet ebenso den Eindruck eines Ausschnittes aus einem Zeichenkosmos, allerdings nicht als Geflecht oder Netzwerk ohne Schwerpunkt, sondern als Einblick in ein Universum, in dem isolierte Grapheme häufig auf Enge getrimmt werden, bisweilen in trudelnd schwebenden Einzelformen kosmischen Charakter atmen. Ein Stauchraum vielfältigster graphischer Kürzel mit deutlichem Lookappeal der Hiphop und Technoszene. Der Autodidakt bietet

eine spielerisch dargebotene Fülle an Entdeckungspass im ornamental-figurativen Wirkfeld labyrinthischer Strukturen. Ein Chiffren-Dschungel. Fiktionale Grafik.

 

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Christiane Molan

Von der konkreten Kunst kommend arbeitet Christiane Molan bereits seit geraumer Zeit mit seriellen Farbflächen, immer wiederkehrenden Rapporten und Farbclustern, in denen sie die üblichen Formate der Malerei verlässt und sich zunehmend installativ den Ausstellungsraum aneignet.

Ausgehend von ihren konzentrierten Farbflächenmalereien der vergangenen Jahre steht im Gegensatz zur früheren Farbskala heute die zurückhaltende und hautanaloge Farbigkeit im Vordergrund. In ihren raumgreifenden ästhetischen Verbesserungs- und Optimierungsakten werden Ausstellungsräume kosmetischen Behandlungen unterzogen. Dabei dienen ihr unter anderem handelsübliche Make-up Produkte, Materialien wie Wachs, Fotos und Werbeslogans.

Für die Galerie im Turm entstehen vier neue Arbeiten, die auf den Ausstellungsort Bezug nehmen. Die Formate sind gleich groß (36 x 130 cm) und bilden in vier Sequenzen eine Bewegungsabfolge des sich Öffnen oder Schließen (je nach Standort des Betrachters) eines Auges.

Vom Erdgeschoß die Treppen aufwärts gehend, schließt sich das geöffnete Auge mit jedem Bild mehr. Die gewählte formale Präsentation des Auges übersteigert die Form des Sehorgans. Molan wählt die Seitenansicht des Auges und schafft damit eine andere Berührtheit für den Betrachter, als eine Frontalabbildung. Die Fokussierung und die gleichzeitige Vergrößerung des Auges lässt die Betrachtung seiner Umgebung  aus nächster Nähe zu.

Molan verschafft den Abbildungen eine neue Materialität; sie überzieht die Fotos mit „einer zweiten Haut“  - mit Wachs. Das Motiv erscheint entrückt und fern, gleichzeitig wirkt es seltsam anziehend.

1961 geboren in Münster

1979-1981 Mitarbeit in der Galerie „Kleiner Raum Clasing“, Münster

1981 Umzug nach Berlin

1982-1987 Studium an der UDK, Meisterschülerin, Berlin

1988-1990 Bühnenmalerei am Schillertheater, Berlin

freischaffend in Berlin tätig 

2007 Umzug nach Köln